Elektrokrampfbehandlung (EKT)

Die Elektrokrampftherapie ist eine äußerst wirksame und nebenwirkungsarme Behandlungsform für Menschen, die an schweren und unter Umständen sogar lebensbedrohlichen psychischen Störungen leiden, etwa therapieresistenten oder wahnhaften Depressionen oder schweren therapieresistenten Manien. Sie kommt nur dann zum Einsatz, wenn Sie selbst nach ausführlicher Aufklärung über ihre Chancen und Risiken damit einverstanden sind. Das Prinzip der EKT besteht in der mehrfachen (in der Regel 4 – 8 Mal), kontrollierten Auslösung eines epileptischen Krampfanfalles im Gehirn zu therapeutischen Zwecken. Die normalerweise bei Krampfanfällen auftretenden Muskelzuckungen werden aber durch eine Narkose mit muskelentspannenden Medikamenten verhindert.

 

Der exakte Wirkmechanismus der Elektrokrampfbehandlung ist trotz eindeutiger Beweise für ihre gute Wirksamkeit noch nicht bekannt. Der Krampfanfall wird jedoch als entscheidend für die Wirkung angesehen (sogenannter „Heilkrampf“). Bekannt ist, dass ein im Rahmen der EKT hervorgerufener Krampfanfall zahlreiche „funktionelle“ Veränderungen im Gehirn hervorruft, die denen einer Antidepressiva-Behandlung ähneln. So werden z.B. die Konzentrationen von Hormonen und Botenstoffen im Gehirn günstig beeinflusst.

 

Risiken und Nebenwirkungen der EKT wurden im Laufe der Zeit durch eine verbesserte Vorbereitung, Durchführung und Nachbetreuung minimiert. Das Risiko für eine schwere Komplikation wird mit 1:50.000 Behandlungen angegeben und liegt damit nicht höher als das allgemeine Narkoserisiko bei kleineren operativen Eingriffen oder z.B. bei einer Zahnextraktion. Risiken durch die Narkose werden durch eine sorgfältige Voruntersuchung in unserer Anästhesie-Abteilung minimiert.

Unerwünschte Nebenwirkungen können aber selbstverständlich – wie bei einer medikamentösen Behandlung auch – auftreten.  Diese können sich z.B. als vorübergehende Kopfschmerzen oder vorübergehende Störungen der Orientierung und des Gedächtnisses äußern. Nur in sehr seltenen Fällen (etwa bei 1 von 200 Patienten) halten Gedächtnisstörungen länger an. Demgegenüber ist zu beachten, dass Konzentrations- und Gedächtnisstörungen im Rahmen schwerer psychischer Erkrankungen (z.B. bei schweren Depressionen) sehr häufig auftreten und viele Patienten durch eine erfolgreiche Therapie eher eine Verbesserung ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit erleben.

 

Vor der Durchführung der EKT wird jeder Patient ausführlich über Prognose, Risiken, Nebenwirkungen und das Prozedere aufgeklärt. Jeder Patient einschließlich der Angehörigen erhält ausreichend Gelegenheit für Rückfragen. Vor der ersten Durchführung erfolgt wie bei einer OP-Vorbereitung eine anästhesiologische Voruntersuchung. Ein Facharzt für Anästhesie (Narkosearzt) klärt gesondert über die im Rahmen der Behandlungsserie mehrfach durchzuführende Kurznarkose auf. Für eine ausreichende Wirksamkeit sind im Regelfall 4 – 8 Behandlungen notwendig. Üblicherweise erfolgen 2 – 3 Behandlungen pro Woche. Bei jeder Behandlung ist ein speziell geschultes Team anwesend (Facharzt für Psychiatrie, Facharzt für Anästhesie, Fachkrankenschwester für Anästhesie). Die Behandlungen erfolgen in einem speziell dafür ausgestatteten Behandlungsraum im OP-Trakt der Klinik.

Nach Einleitung der Narkose schläft der Patient für ca. 10 Minuten. In dieser Zeit erfolgt eine kurzzeitige medikamentöse Muskelentspannung. Die Atmung wird dabei durch den Narkosearzt überwacht und durch Maskenbeatmung (keine Intubation mit einem Beatmungsschlauch) unterstützt. Während dieser Zeit wird vom zuständigen Psychiater durch elektrische Stimulation im Bereich des Kopfes ein epileptischer Anfall ausgelöst. Der Anfall selbst ist durch die zuvor eingeleitete Muskelentspannung meist kaum zu sehen. Die Dauer des Anfalls wird durch eine EEG-Aufzeichnung überwacht. Sie beträgt üblicherweise 30 – 90 Sekunden.

Kurz nach dem Ende des Anfalls erwacht der Patient wieder und es erfolgt eine Überwachung im Aufwachraum der Anästhesie-Abteilung (für ca. 30 Minuten), ehe die Rückkehr auf die Station möglich ist. Da die Behandlungen früh morgens durchgeführt werden, kann der Rest des Tages wie üblich gestaltet werden.

Die Elektrokrampftherapie kommt nur dann zum Einsatz, wenn Sie selbst damit einverstanden sind. Sie wird in Zusammenarbeit mit unseren Anästhesisten unter Vollnarkose durchgeführt.