Die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen, Frau Malu Dreyer teilte in einer Presseerklärung 2010 mit, dass das Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich von 13 sich bewerbenden Kliniken als 1 von insgesamt 4 Modellkrankenhäusern ausgewählt wurde, um eingereichte Vorschläge zur Stärkung der Pflege modellhaft zu erproben. Mit den offiziell in 2011 begonnenen Modellprojekten „Aufgaben-Neuverteilung im Krankenhaus“  und "Versorgungsmanagement im Krankenhaus“ wollten wir, die Optimierung der Arbeitsabläufe durch eine bessere Aufgabenverteilung zwischen den beteiligten Berufsgruppen einleiten, um ein weiteres wichtiges Ziel, die Entlastung des Einzelnen der im Prozess beteiligten Mitarbeiter schnellstmöglich zu erreichen.

Presseerklärung der Verbundklinik nach Abschluss des Modellprojektes "Stärkung der Pflege" im Mai 2013

Die Projektausschreibung - Grundorientierung und Prinzip

Die damalige Ministerin Malu Dreyer in der Ausschreibung zu den Modellprojekten:
„Für eine gute Behandlung erkrankter Menschen im Krankenhaus müssen die medizinische Versorgung und eine qualifizierte Pflegeleistung mit gleichrangiger Bedeutung zusammen wirken. Beides kann nur mit leistungsfähigen Arbeitsstrukturen und Arbeitsabläufen bei guten Arbeitsbedingungen und fachlicher Qualifikation geleistet werden. Insgesamt verfolgt der Schwerpunkt „Stärkung der Pflege im Krankenhaus“ das Ziel, die Voraussetzungen für eine gute und menschliche Pflege der Patientinnen und Patienten im Krankenhaus auch zukünftig zu gewährleisten.“


Im Fokus standen daher: Qualifikationsmix, Kostenstruktur, Versorgungsqualität, Patientenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit

 

Das Prinzip der Projektumsetzung im Verbundkrankenhaus: Bottom - up

 

 

Die Basis: DTA – Diagnosebezogene Tätigkeitsanalyse

In 2010 liefen auf den Modellstationen der Inneren Medizin in Wittlich und Bernkastel-Kues die DTA-Erfassungen zum sogenannten t0-Zeitpunkt, dem Anfangszeitpunkt der Projektphase. Hierbei wurden für 4 Wochen die Arbeiten aller am Stationsablauf beteiligten Berufsgruppen anonym erfasst. (Ärztlicher Dienst und Pflegedienst einschließlich Schüler).

Im Dezember 2010 wurde die Projektgruppe für das Teilprojekt Aufgabenneuverteilung gebildet; (mit Vertretern aller auf Station tätigen Berufsgruppen). Auf Basis der DTA-Ergebnisse entwickelte die Projektgruppe Ziele für die gemeinsame weitere Arbeit. Diese Ziele wurden danach allen Mitarbeitern (Ärzte/Pflege) der Modellstation vorgestellt und um weitere Vorschläge ergänzt. Darauf aufbauend erarbeitete die Projektgruppe kreative Lösungsmöglichkeiten, die im Weiteren bewertet wurden.
Danach erfolgte die Umsetzungsplanung.

 

 

1. Projekt: Aufgaben-Neuverteilung auf Station

Bezugspflegende und VM mit Patienten

Basierend auf den Ergebnissen der DTA-Analyse und dem oben geschilderten bottom-up Verfahren, fanden Mitarbeiter der Projektgruppen verschiedene Prozesse und Aufgaben, die optimiert werden konnten, bzw. deren Ausführung delegiert werden konnte.

Kernfrage: Welche Aufgabe benötigt welche Qualifikation zu ihrer Erfüllung? Auf diesem Wege begann die Umsetzung folgender Neuerungen:

 

Ergebnisse der Aufgabenneuverteilung auf Modellstationen:
• Einführung des Bezugspflegesystems
• Optimierung des Professionenmix auf Station durch Aufgabenneuverteilung und die damit einhergehende Einführung neuer Aufgaben.

 

Aufgabenneuverteilung hieß insbesondere: Veränderung der Personalstruktur

Neue Struktur:
• Stationsleitung (Personalorganisation, Zuteilung der Bezugspflegepersonen)
• Versorgungsmanager (pflegefachliche Koordination und Kontrolle) - siehe Modellprojekt 2
• Bezugspflegefachperson (Pflegeanamnese, Pflege, Pflegedokumentation, Beratungsgespräch,)
• Gesundheits- und Krankenpfleger (Unterstützung der Bezugspflegefachpersonen)
• Medizinische Fachangestellte Administrative Aufgaben sowie Pflege- und Arzt-unterstützende Aufgaben, z.B. Blutentnahme, Venenverweilkanülen legen, -pflege u. Dokumentation, Befunde + Labor vor Visite abheften, Visitenwagen vorbereiten: Archivakten anfordern, Formulare ausfüllen, etc.)
• Pflege- und Service-Assistenz nach Vorgaben der Bezugspflegefachperson, Reinigungsarbeiten, Patiententransporte, Unterstützung in der Essensverteilung, etc.)

 

Dabei kam dem Erhalt des Qualitäts- und Kompetenzniveaus der Leistungen sowie der rechtlichen Sicherheit grundlegende Bedeutung zu. Dem wurde unter anderem durch die Entwicklung und Durchführung spezieller Qualifizierungen sowie Prüfungen Rechnung getragen!



Folgende neue Lehr-Curricula wurden entwickelt und implementiert:
• für Bezugspflegende: Dokumentation, Pflegeplanung
• für MFAs: i.v.-Injektion-Schulungen, Reanimation und Beatmung, Geräteeinweisung, Venenverweilkanüle, Blutkulturen abnehmen,    Blutgasanalysen.
• für Pflege- u. Serviceassistenz: 80 Std. Theorie-Ausbildung sowie dreimonatige praktische Ausbildung auf Station

 

Neu kam im Rahmen der Aufgabenneuverteilung hinzu:

 

Bezugspflegefachperson: (feste Zuordnung zu ca.. 9 Patienten)

• persönliche Vorstellung bei Patienten & Angehörigen (Visitenkarte, Name, Telefonnr., etc.)
• konstanter Ansprechpartner für "ihre" Patienten, die Angehörigen, sowie intern für behandelnde Ärzte, Versorgungsmanager, Soziale Patientenberatung, etc.
• Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, Planung, Organisation, Durchführung und Dokumentation der Pflege,
• Evaluation der Pflege,
• Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege,
• Beratung, Anleitung und Unterstützung der Patienten sowie ihrer Bezugspersonen

 

Medizinische Fachangestellte (MFA)

Sie unterstützt Ärzte und Pflegekräfte zum Beispiel beim Blutabnehmen, assistiert bei Untersuchungen oder übernimmt administrative Aufgaben. Die MFA wird für diese Aufgaben speziell geschult. 


Pflege- und serviceunterstützende Person:

Nach einer dreimonatigen Ausbildung auf der Station und 80 Stunden theoretischer Ausbildung nach einem eigenes dafür entwickelten Curriculum umfasst ihr Aufgabenbereich vornehmlich Serviceleistungen und unterstützende Tätigkeiten für die Patienten und das Pflegeteam. Durch flexible Arbeitszeit, Einarbeitung und Weiterqualifizierung ist dieser Aufgabenbereich auch attraktiv für Wiedereinsteiger. Menschen, die Freude an der Betreuung von Patienten haben (das müssen keine medizinisch gebildeten Fachkräfte sein), geben wir mit dieser Weiterbildung die Möglichkeit des „Quereinsteigens im Servicebereich“.


Was verbessert sich für die Patienten?

 durch die Bezugspflege:


• Patienten haben mit dem behandelnden Stationsarzt und der Bezugspflegekraft festgelegte Ansprechpartner (Förderung von Sicherheit & Vertrauen, verbesserte Einbindung der Patienten & Angehörigen, patientennahe Beratung/Schulung)

• Arzt und Bezugspflegende bilden ein Team (zielgerichtete und direkte Kommunikation zwischen Arzt und Bezugspflegeperson)

• feste Visitenzeiten u. die Begleitung der Pflegekraft bei Visite, die die jew. Patienten kennt

• Die Bezugspflegende fühlt sich verantwortlicher, ist besser als zuvor auch über die häusliche Versorgung informiert und weiß, wo Bedarf an Verbesserung dieser besteht: dadurch frühe Organisation der poststationären Versorgung in Absprache mit dem VM möglich.

 

– durch die MFA:


• Störungsfreier und zügiger Durchgang der Visite sowie ungestörte Visitenausarbeitung für die Pflegenden, da die MFA inzwischen das Telefon betreut
• die Unterstützung bei Blutabnahme, Legen od. Abnahme von Venenverweilkanülen etc. trägt zu schneller Betreuung / Versorgung bei
• Patienten bekommen in der Regel den Entlassungsbrief am Entlassungstag
• Frühere Entlassung am Vormittag möglich.

 

– durch Pflege- und Service-Assistenz:


• Verkürzen evtl. Wartezeiten (u.a. Betten holen, Unterstützung bei Körperpflege od. Essensaufnahme der Patienten etc)
• Übernahme von kleineren Besorgungen durch die Pflege- und Serviceassistenten
• Assistenz als weiterer qualifizierter Ansprechpartner für Patienten

 

 

 

 

 

2. Projekt: Einführung Versorgungsmanagement

Abstimmung mit Stationsleitung

Zu den ständigen Mitgliedern der Teilprojektgruppe Versorgungsmanagement gehörten: Stationsleitung (Pflege), Soziale Patientenberatung und ein Oberarzt der Inneren Medizin. Als Berater standen Clinical Coder und EDV zur Verfügung. Zu besonderen Fragestellungen wurden Mitarbeiter aus Medizin und Pflege als Berater hinzugezogen (ZPA und Innere). Eine enge Zusammenarbeit bestand zur Arbeitsgruppe Aufgabenneuverteilung.

 

Ergebnis:
Die Position des Versorgungsmanagers wurde innerhalb der Modellstationen etabliert und eine entsprechende Person dazu weitergebildet. (Weiterbildung zum Case Manager und Pflegeberater (DGCC) beim DBFK in Stuttgart)

 

 

Der Versorgungsmanager verantwortet:
• Bereitstellung eines Intake-Instrumentes zur frühzeitigen Identifizierung des poststationären Versorgungsbedarfes (frühzeitige, kriteriengeleitete Einbeziehung der Sozialen Patientenberatung, damit früher Beginn der Entlassplanung und Organisation nachstationärer Versorgung)


• Monitoring für Prozesse in den Modellstationen und die Qualität in der Pflege

• Entwicklung von Versorgungsstandards für häufige Diagnosen im internistischen Bereich (Gastroenteritis, Pneumonie)

• Entlassungsmanagement nach dem „Expertenstandard Entlassungsmanagement“ bearbeitet.

• Ansprechpartner für alle beteiligten Berufsgruppen insbesondere Bezugspflegepersonen und das Team Soziale Patientenberatung

 

Was verbessert sich für den Patienten durch den Versorgungsmanager:

 
• Konzentrierte Überwachung und Optimierung der diagnostischen, therapeutischen und pflegerischen Abläufe


• die Soziale Patientenberatung wird früher über poststationäre Versorgungsanfragen informiert, so dass dadurch später keine Verzögerung für die Entlassung entsteht.

 

 

3.) Projekt "Schmerzmanagement" (eigenständig umgesetzt)

Das Teilprojekt Schmerzmanagemet wurde in zwei Stationen mit unterschiedlichen medizinischen Angeboten und unter Einbeziehung des Akutschmerzdienstes umgesetzt. Eine Mitarbeiter- und Patientenbefragung wurde zu Beginn und Ende des Teilprojektes durchgeführt und ausgewertet Die Auswertung der Mitarbeiterbefragung zum Schmerzmanagement ergab einen hohen Schulungs- und Umsetzungsbedarf in den Bereichen Schmerzmedikation, nichtmedikamentöse Therapien, Schmerzeinschätzung, Beratung und Schulung, Kooperation mit anderen Berufsgruppen und die zusätzliche Qualifikation für pflegerische Schmerzexperten wurde als sinnvoll angesehen. Auch eine Patientenbefragung erfolgte; (Befragungsbasis: Nationaler Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege des DNQP) Ausgewertet wurden auch das Symptom- u. Komplikationsmanagement bei PDK, PCA und System der intravenösen Schmerztherapie.

 

Ergebnis:
Seit Januar 2011 finden Mitarbeiterschulungen im Schmerzmanagement (Pflege) statt. Eine Fortbildung für den ärztlichen Dienst wurde ebenfalls durchgeführt.

Für die Fachqualifikation zum pflegerischen Schmerzexperten wurde ein Qualifizierungs-Curriculum entwickelt und etabliert Je zwei Pflegende mit der Fachqualifikation zum Schmerzexperten arbeiten heute auf den 2 Modellstationen. Dieses Teilprojekt befindet sich in der Umsetzung im Verbundkrankenhaus.

 

Was verbessert sich für die Patienten durch den Einsatz von pfleg. Schmerzexperten?
• Patienten werden gezielt nach Schmerzen gefragt und dokumentiert.
• Sensibilisierung für das Thema Schmerz. Die direkte Nachfrage und der Einsatz der Schmerzskala VAS (VAS = Visuelle Analog-Skala) senken die Hemmschwelle den individuellen Schmerz auszudrücken
• Die Patienten sind durch die Schmerzexperten besser in die Schmerzbehandlung einbezogen und informiert
• Anwendung des auf Basis des Expertenstandards entwickelten Schmerz-Algorithmus in den Stationen
• Zur Information der Patienten zum Themenkomplex Schmerz wurde auf den Modellstationen ein spezielles Faltblatt und ein Informationsposter erstellt.
• Eine spezielles Instrument für die Ermittlung von Schmerzen bei Patienten, die nicht in der Lage sind ihre Schmerzen adäquat zu äußern, wurde implementiert.
• Die Aufgaben des Akutschmerzdienstes der Anästhesie und des pflegerischen Dienstes der Anästhesie wurden neu definiert und mit den Aufgaben der pflegerischen Schmerzexperten in den Stationen abgestimmt und vernetzt.

 

 

4.) Projekt - Zentrale Belegungssteuerung (eigenständig umgesetzt)

Ergebnis:


• Der Ablauf der elektiven chirurgischen Patientenaufnahme konnte erfolgreich neustrukturiert und konzentriert werden.


• Entlassplanung als Bestandteil der Visite in der Modellstation PG 21-24


• EDV Bettendisposition ist in der Umsetzung

 

5.) Projekt - Manchester-Triage-System (MTS) (eigenständig umgesetzt)

Dieses System zur Ersteinschätzung beschreibt das Instrument zur Abschätzung der Behandlungsdringlichkeit, mit dem qualifiziert eine Behandlungsreihenfolge in der Notaufnahme festgelegt wird. Sie muss die individuellen Sorgen und Beschwerden des Patienten berücksichtigen, das Ergebnis muss schnell kommunizierbar sein. Daher kann diese Abschätzung nicht “aus dem Bauch heraus” geschehen.


Das MTS ist ein zuverlässiges, valides und gut auditierbares Instrument zur Einschätzung der Behandlungsdringlichkeit.1 (1 Vgl. Ersteinschätzung in der Notaufnahme. Das Manchester-Triage-System. Hrsg. von Kevin Mackway-Jones, Janet Marsden, Jill Windle. 2. Aufl. Bern: Huber 2010. S. 69ff.)


• alle  Mitarbeiter der Zentralen Patientenaufnahme und des OP;S wurden für das MTS System geschult

• EDV gestütze Umsetzung des MTS im Cusanus-Krankenhaus Bernkastel-Kues ab dem 01.01.2011

• EDV gestützte Umsetzung des MTS im Wittlicher St. Elisabeth KH ab Frühherbst 2013 nach Abschluss der erforderlichen Ausbaumaßnahmen.