Räume der Stille

„Räume“
…….. eine kleine Besinnung über Räume

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Mitchristen und Gläubige anderer Konfessionen,

Die Prosektur - für den einen sind es normale, für den anderen befremdende Räume.
Es sind Räume, die der Versorgung von Verstorbenen dienlich sind.

Warum schenken wir ihnen oft keine Bedeutung
Warum wecken sie oft in uns ein ungutes Gefühl
Warum verdrängen wir oft diese Gedanken aus unserem Leben
Warum schenken wir ihnen heute eine besondere Aufmerksamkeit

Ist es nicht unspektakulär, unschön, unmodern sich mit diesem Thema, sich mit diesen Räumen wirklich auseinanderzusetzen? Sind es nicht oft Ängste, die uns als Menschen in diesen Grenzsituationen des Lebens heimsuchen. Wollen wir heute einmal diesen Gedanken, diesen Räumen Raum schenken. Sind wir nicht oft ratlos und rastlos uns als lebendige Menschen mit dem unvermeidbaren Tod des Lebens auseinanderzusetzen und zu begreifen, was dies für unsere menschliche Existenz bedeutet.

Erleben wir nicht immer wieder, dass ein Körper tot sein kann, aber der Geist, der von diesem Menschen ausgegangen ist, weiter existiert. Wer von uns kennt nicht auch diese Menschen, die schon längst tot sind, aber in unserem Herzen weiter leben. Als ungläubige Menschen werden wir sicherlich einige Fragen zu diesem Thema überspringen müssen, denen wir uns als gläubige Menschen zu stellen haben. Es drängen sich Fragen auf vom woher und wohin, die sich naturwissenschaftlich nur unzureichend erklären lassen. Der Frage folgt nur eine Antwort, wenn wir Gott erkennen. Spiritualität ist das, was wir spüren, wenn wir uns als Menschen erkennen und uns gemeinsam auf den Weg machen.

Diesen Gedanken müssen wir Raum schenken - wir sind dazu aufgerufen in uns Raum zu schaffen, der unser tägliches Handeln öffnet für den Geist, der auch unser Krankenhaus nach innen und außen darstellt.

In vielen Räumen unseres Krankenhauses ist manches darauf abgestellt kranke Menschen zu heilen. Manchmal scheinen wir ohne Rast und Ruhe in dieser „Gesundheitsfabrik“ tätig zu sein. Hektik, Stress und Unruhe prägen oft so unseren Tag. Der Todesfall scheint in solchen Fällen eher ein Störfall zu sein. Unser Handeln läuft so ins Leere und erhält ein jähes Ende.

Wenn wir dann dem Toten, oder den Angehörigen oder auch uns selbst wirklich begegnen möchten, bedürfen wir einen Raum im Äußeren und im Inneren, einen Raum der Stille

  • Es ist kein Außenraum, der uns nur Äußerliches zeigt
  • Es ist kein Innenraum, der uns an unserem Ich oder
    unserem Egoismus festhalten lässt
  • Es ist ein Raum, der uns zum Innersten unseres Selbst führen kann


So sind die Räume der Stille in unseren Kliniken nur äußere Zeichen. Füllen wir diese mit Geist – lassen wir bei der Lebensbegleitung oder Sterbebegleitung von Menschen dort Quellen der Hoffnung sprudeln.

Möge unser Krankenhaus, unsere Mitarbeiter die Begleitung von Menschen im Leben und Sterben immer wieder als Herausforderung und Geschenk Gottes entdecken, mögen wir uns von dem Geist der Spiritualität anstecken lassen und Räume der Stille in uns selbst entdecken.

Stefan von Wirtz

Jeweils ein Raum der Stille befindet sich im
St. Elisabeth KH, Wittlich sowie im Cusanus KH, Bernkastel-Kues