Erweiterung (Aneurysma) der Bauch- und Brustschlagader

Aussackungen der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma) haben mit zunehmender Größe (> 5–5.5cm) ein deutliches Risiko zu platzen (Ruptur). Da die Wahrscheinlichkeit diese Komplikation zu überleben auch heute noch sehr gering ist (ca 10%), wird zum Einen eine Routine-Ultraschalluntersuchung bei Männern über 65 Jahren empfohlen, zum Anderen wird bei Nachweis eines Aneurysmas eine geplante Ausschaltung (OP) empfohlen. Dies ist seit mehr als 50 Jahren mit hoher Sicherheit und guten Langzeitergebnissen operativ über einen Bauchschnitt möglich. Daneben hat sich seit ca. 20 Jahren zunehmend ein stentgestütztes, minimal invasives Prinzip etabliert, bei dem der Bauchraum nicht mehr eröffnet werden muss. Abhängig vom Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen und anatomischen Verhältnissen wird jedem Patienten das individuell erfolgversprechendste Verfahren angeboten.

75 % aller Aneurysmen sind in der Bauchaorta lokalisiert. Die Häufigkeit des Auftretens eines Bauchaortenaneurysmas (Durchmesser > 3,0 cm) liegt bei 40 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner/Jahr. Männer sind 6-mal häufiger betroffen als Frauen.

Interventionsbedarf (Aneurysmadurchmesser > 5,0 cm) besteht bei 10% der Betroffenen. Die krankhaften Gefäßerweiterungen/ -Aussackungen können offen chirurgisch oder endovaskulär behandelt werden. Einer der entscheidenden Vorteile der endovaskulären Therapie ist der minimal-invasive Zugang mit relativ geringer Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Bei dieser Behandlungsform werden Stentprothesen in die Bauchschlagader eingebracht. Dadurch fliesst das Blut nur noch innerhalb der Stentprothesen und nicht mehr im Bauchaortenaneurysma. Die Blutdruckbelastung auf die erkrankte Gefäßwand des Bauchaortenaneurysma fällt dadurch weg.

Nicht jedes Bauchaortenaneurysma eignet sich für ein Einsetzen einer Standard-Stentprothese. Wenn der Gefäßabschnitt zwischen den Nierenarterien und dem Bauchaortenaneurysma ebenfalls nicht gesund ist, dann sprechen wir von einem "juxtarenalen" Bauchaortenaneurysma. In diesen Fällen kommt als Katheterbehandlung das Einsetzten von sog. fenestrierten Aortenprothesen zur Anwendung. Diese Stentprothesen werden fenestriert genannt, weil für jeden Abgang aus der behandelten Bauchschlagader ein 'Fenster' in der Prothese gemacht werden muss, um den Blutfluss zu den Bauchorganen gewähleisten zu können.  Diese Fenestrierungen müssen millimetergenau liegen, da sonst Probleme bei der Implantation oder im späteren Verlauf resultieren. Es wird zwischen 2-, 3- und 4-fach fenestrierten Aortenprothesen unterschieden.

Die Planung einer fenestrierten Aortenprothese ist aufwendig und beihaltet die millimetergenaue Analyse der CT-Bilder. Anhand der Planungsskizze erfolgt dann die handgefertigte Produktion der fenestrierten Aortenprothese. Dies nimmt mehrere Wochen in Anspruch.
In unserem Film auf der rechten Seite sehen Sie den erfolgreich verlaufenen Einsatz eines fenestrierten Stents. Die Stentprozedur mit einer fenestrierten Aortenprothese wird international als FEVAR bezeichnet, d.h. fenestrierte EVAR (Endovaskuläre Aneurysma Reparatur).

Aneursyma im Brustraum

Auch für die Brustschlagader (thorakale Aorta) gibt es mittlerweile Stentverfahren. Diese alternativen Eingriffe sind aufgrund der hohen Invasivität und Komplikationsraten bei der operativen Therapie, als besonders wertvolle Entwicklung einzuschätzen. Die sog. "Thorakalen Aortenaneurysmen" sind Gefäßerweiterungen im Bereich der Hauptschlagader im Brustkorb. Sie machen etwa 10% aller Aneurysmen aus und sind ab einem Durchmesser von 6 cm mit dem erheblichen Risiko einer lebensbedrohlichen Blutung (Ruptur) verbunden.

Heutzutage bleiben den Patienten mit Gefäßaussackungen an einer Schlagader immer häufiger große belastende Operationsmethoden erspart. Wurden früher bei der Versorgung eines thorakalen Aneurysmas sowohl die Brust- als auch die Bauchhöhle operativ geöffnet, kamen damit alle Risiken einer großen Operation auf die Betroffenen zu. Durch die enormen technischen Fortschritte in der Bildgebung und der Gefäßchirurgie ist es nun möglich, auch im Brustraum im Rahmen eines kleineren Kathetereingriffs einen Stent in die betroffene Gefäßpartie einzubringen. Damit sinkt das Mortalitätsrisiko für diese Patienten von früheren 20% auf nur noch 3%.

In Kooperation mit dem Wittlicher Radiologen Dr. Dirk Lommel hat das gefäßchirurgische Team um Chefarzt Dr. H.-J. Lutz das neue Verfahren im Bereich der Brustraumarterie bereits mehrfach erfolgreich angewandt. Die für Patienten schonende Stentmethode findet seit längerer Zeit ihren Einsatz bei Aussackungen der Bauchaorta sowie bei Verengungen der peripheren Arterien in Armen und Beinen.

Kontakt

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Facharzt für Chirurgie, Facharzt für Gefäßchirurgie, Endovaskulärer Spezialist
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Facharzt für Gefäßchirurgie, Facharzt für Allgemein- und Visceralchirurgie,
Spezielle Visceralchirurgie, Endovaskulärer Chirurg
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