Patrick Schnieder, Mitglied des Deutschen Bundestages, die Landtagsabgeordneten Karina Wächter und Dennis Junk sowie Sebastian Bölinger, Bürgermeisterkandidat für die Stadt Wittlich, haben sich im Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich über die aktuelle Versorgungssituation und die Zukunftsplanung des Krankenhauses informiert. Im Austausch mit der kaufmännischen Direktorin Jeannette Diederichs und dem Ärztlichen Direktor Gunnar Kessler stand insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie eine leistungsfähige Krankenhaus- und Notfallversorgung im ländlichen Raum dauerhaft gesichert werden kann.
Das Verbundkrankenhaus ist heute ein zentraler Pfeiler der medizinischen Daseinsvorsorge in Eifel, Mosel und Hunsrück. Als Schwerpunktkrankenhaus mit erweiterter Notfallstufe und Regionalem Traumazentrum hält es rund um die Uhr eine breite akutmedizinische Infrastruktur vor. Dazu gehören unter anderem die Zentrale Notaufnahme, Intensivmedizin, Stroke Unit, Herzkatheterversorgung, Unfallchirurgie sowie Geburtshilfe und Kinder- und Jugendmedizin. Allein im Jahr 2025 wurden in der Zentralen Notaufnahme mehr als 33.000 Notfallkontakte versorgt. Hinzu kommt die ärztliche Besetzung von zwei bodengebundenen Rettungswachen an beiden Krankenhausstandorten sowie die ADAC-Luftrettungsstation Christoph 10. Diese Leistungsfähigkeit ist für die Region angesichts langer Wege und begrenzter Alternativkapazitäten nicht kurzfristig ersetzbar.
Gleichzeitig hat das Verbundkrankenhaus die notwendige strukturelle Weiterentwicklung frühzeitig angestoßen. Ein Zukunftskonzept für beide Standorte wurde bereits 2024 auf den Weg gebracht. Das bisherige medizinische Leistungsspektrum im Landkreis soll dabei insgesamt erhalten bleiben. Mit dem Zukunftskonzept verfolgt das Verbundkrankenhaus bereits heute einen Ansatz, den die Krankenhausreform bundesweit stärken will.
Für die Umsetzung dieses Konzeptes fehlen jedoch weiterhin wesentliche rechtliche und finanzielle Voraussetzungen. Erforderlich sind verlässliche Krankenhaus-Investitionsmittel, klare Förderbedingungen und ein praktikabler Zugang zum Transformationsfonds. Solange die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen und Förderwege nicht vollständig nutzbar sind, können notwendige Strukturentscheidungen und Investitionen nicht mit der erforderlichen Sicherheit umgesetzt werden. Dies betrifft auch die langfristige bauliche Entwicklung des Krankenhauses.
Einen ebenso hohen Stellenwert hat die ausstehende Zuweisung der Leistungsgruppen durch das Land. Für das Verbundkrankenhaus ist Planungssicherheit darüber, welche Leistungen künftig erbracht werden können, eine zentrale Voraussetzung für eine verlässliche Notfallversorgung. Leistungsgruppen bestimmen nicht nur das medizinische Angebot, sondern unmittelbar auch Personalbedarf, Dienstmodelle, Qualifikationsanforderungen und Investitionsentscheidungen. Unklare Rahmenbedingungen erschweren deshalb bereits heute die mittel- und langfristige Personal- und Leistungsplanung.
Kritisch bewertet das Verbundkrankenhaus zudem die mit dem Beitragsstabilisierungsgesetz (BStabG) vorgesehenen zusätzlichen Prüf- und Dokumentationsanforderungen. Statt des angekündigten Bürokratieabbaus droht in wesentlichen Bereichen ein weiterer Bürokratieaufbau. Insbesondere die deutlich ausgeweitete MD-Prüfsystematik bindet zusätzliche personelle Ressourcen, die in Versorgung und Patientenbetreuung fehlen. Für Krankenhäuser bedeutet dies zusätzliche administrative Belastung in einer Situation, in der Personal und Finanzierung ohnehin stark unter Druck stehen.
Im Gespräch wurde außerdem auf die besonderen Bedingungen der Versorgung im ländlichen Raum hingewiesen. Entfernungen, Topografie und reale Fahrzeiten zu alternativen Versorgungsstandorten müssen bei Krankenhausplanung und Notfallversorgung stärker berücksichtigt werden. Hinzu kommt, dass vertragsärztliche Sitze in der Region teilweise nicht besetzt werden können. Kliniken im ländlichen Raum müssen deshalb die Möglichkeit erhalten, ambulante Leistungen flexibler zu erbringen und regelhaft abzurechnen. Denkbar sind sektorenübergreifende Strukturen nach dem Prinzip einer Poliklinik, in denen stationäre, ambulante und vertragsärztliche Versorgung stärker miteinander verzahnt werden.
Jeannette Diederichs betonte: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und bereits 2024 ein tragfähiges Zukunftskonzept für beide Standorte auf den Weg gebracht. Jetzt brauchen wir verlässliche Entscheidungen - vom Bund die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für die Transformation und vom Land Planungssicherheit bei den Leistungsgruppen. Nur so können wir Personal binden, investieren und die Notfallversorgung für die Menschen in Eifel, Mosel und Hunsrück dauerhaft sichern.“
Patrick Schnieder nahm die geschilderten Herausforderungen und Anliegen des Verbundkrankenhauses auf. Der direkte Austausch machte deutlich, dass erfolgreiche Krankenhausreform im ländlichen Raum nicht allein Konzentration bedeuten kann. Sie muss zugleich sicherstellen, dass unverzichtbare Versorgungsstrukturen erreichbar bleiben und Krankenhäuser ausreichend Zeit sowie finanzielle und rechtliche Handlungsmöglichkeiten erhalten, um neue Strukturen geordnet aufzubauen.
Bildunterschrift (v.r.n.l.):
Gunnar Kessler (Ärztlichen Direktor), Jeannette Diederichs (kaufmännischen Direktorin), Patrick Schnieder (Mitglied des Deutschen Bundestages), Karina Wächter (Landtagsabgeordnete), Dennis Junk (Landtagsabgeordneter) und Sebastian Bölinger (Bürgermeisterkandidat für die Stadt Wittlich)
